Ach du dicker Hund...

Lesezeit: 3 Minuten

 

Im letzten Artikel habt ihr gelesen, welche gesundheitlichen Auswirkungen es hat, wenn euer Hund zu dick ist. (übersehen? Hier klicken!)

 

Doch wann ist mein Hund eigentlich zu dick? 

 

Dieser Frage gehen wir in diesem Artikel nach.


Allgemein gilt der Grundsatz: Liegt das Gewicht des Hundes 15% über dem Rassestandard, dann ist er übergewichtig.

 

Daher stellt sich die erste Frage: Was wiegt dein Hund? Stell dich doch einfach mal wieder mit deinem Hund auf die Waage und ziehe dein eigenes Gewicht ab! Negativer Nebeneffekt: Man fängt auch an, über das eigene Gewicht nachzudenken!

Da ist es sicherer, wenn man einen XXL-Hund hat, der beim Tierarzt alleine auf die Waage muss!  


Der zweite Schritt wäre dann, sich am Rassestandard zu orientieren: eine französische Bulldogge sollte beispielsweise 9-14 kg (Rüde) bzw. 8-13 kg (Hündin) wiegen. Starke Abweichungen hiervon sind dann auffällig.

Doch auch die grobe Orientierung innerhalb der Rasse ist oftmals nicht hilfreich:

 

So wiegt Betty, meine Bernhardinerhündin mit Stockmaß 73 cm etwa 60 kg, während ihr Freund, Herr Schröder, ebenfalls ein Bernhardiner, ein Stockmaß von 92 cm hat und 83 kg wiegt. Beide sind schlank.

"Klar", werdet ihr sagen, "die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und so"… Dennoch ist der Unterschied hier ganze 23 kg schwer!


 

Viel schwieriger wird es dann bei Mischlingen, wenn gar keine Referenzwerte bestehen.

 

Deshalb macht es Sinn, sich nicht alleine auf Gewichtsangaben zu verlassen, sondern vielmehr auf das Augenmass:

 

Und doch steht man dann möglicherweise vor dem nächsten Problem:

 

Bei einer Dogge fällt der Sichtbefund sicher einfacher aus als bei einem plüschigen Pomeraner.


Es ist also ein anderes System nötig: das sogenannte Body Condition Scoring (BCS). Mittels festgelegter Körpermerkmale wird das Verhältnis von Fettmasse zu fettfreier Masse mittels Palpation (Tastbefund) und Adspektion (Sichtbefund) beurteilt.

 

Stell dich dazu hinter oder neben deinen Hund und schaue von oben auf seinen Rücken hinunter. Danach tastest du mit wenig Druck am Rumpf deines Hundes entlang.

Was du dabei siehst und fühlst, kannst du danach in 9 Bereiche einordnen.

 

Stufe 1 (abgemagert) beschreibt einen Hund, dessen Rippen, Lendenwirbel und Knochenvorsprünge schon aus Entfernung sichtbar sind und der unter offensichtlichem Muskelschwund leidet. Stufe 2 ist ein sehr dünner Hund, bei dem die Beckenknochen gut erkennbar sind und kein Fett fühlbar ist.

Der dünne Hund befindet sich auf Stufe 3. Seine Rippen sind leicht zu fühlen und ggf. sichtbar, die Spitzen der Lendenwirbel sind sichtbar und die Taille ist deutlich zu erkennen.

 

(Das Schaubild bietet einen vereinfachten Überblick.)

 

Auch bei Stufe 4 ist der Hund noch als untergewichtig zu bezeichnen. Seine Rippen sind zwar leicht fühlbar, sind jedoch mit minimalem Fett bedeckt. Die Taille ist von oben leicht zu sehen und der Bauch eingezogen.

Stufe 5 beschreibt das Idealgewicht des Hundes. Die Rippen sind fühlbar ohne übermäßige Fettablagerung, die Taille ist hinter den Rippen zu sehen, jedoch nicht übermäßig eingezogen.

Die Taille deines Hundes sollte also sichtbar schmaler als Bauch und Po sein. Grundsätzlich kann man sagen, dass bei einem normalgewichtigen Hund die Rippen leicht und mit wenig Druckausübung zu fühlen sein sollten.

Stufe 6 bedeutet dann bereits, dass dein Hund übergewichtig ist. Die Rippen sind zwar spürbar, hierfür ist aber mehr Druck nötig. Die Taille ist von oben nur schwach erkennbar. Stufe 7 deutet auf einen schwer übergewichtigen Hund hin, dessen Rippen nur noch unter Schwierigkeiten auffindbar sind, der bereits in der Lendengegend und am Rutenansatz Fettablagerungen aufweist und keine abdominale Einziehung mehr hat. Auch wenn man nun denken könnte, das wäre bereits das Maximum - zwei weitere Steigerungsformen sind möglich.

Stufe 8 beschreibt den fetten Hund, dessen Rippen nur mit starkem Druck fühlbar sind und der keine Taille, sondern ggf. bereits eine abdominale Vorwölbung hat.

Und schließlich Stufe 9, der sehr fette, adipöse Hund, der massive Fettablagerungen an Hals, Beinen, Thorax und Schwanzansatz hat und bei dem keine Einziehung, sondern eine deutliche Vorwölbung des Bauches zu finden ist.

 

Optimal ist das Gewicht deines Hundes also, wenn er Taille zeigt und die Rippen deutlich unter einer gewissen Fettschicht spürbar sind.

 

Sollte die Schicht aber so dick sein, dass du die Rippen nicht mehr oder kaum noch ertasten kannst, solltest du über den Energiebedarf deines Hundes nachdenken.


Bei allen Einordnungen und Überlegungen, und damit kommen wir wieder auf den Beginn des Artikels zurück, sollte die jeweilige Rasse immer im Hinterkopf behalten werden. Windhunde beispielsweise sehen "natürlicherweise" eher mager aus und bei Möpsen ist es aufgrund anatomischer Körperstrukturen und der stark faltigen und dicken Haut kaum möglich, die Rippen zu sehen, selbst wenn er sehr schlank ist.

Zum Schluss habe ich noch einen interessanten Link für euch, der erschreckend aufzeigt, wie dick manche Hunde wirklich sind:

 

http://www.spiegel.de/fotostrecke/hund-kayla-gewinnt-abspeck-wettbewerb-fuer-haustiere-fotostrecke-132746.html

 

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